2015-01-05 13:15:00

Die Kardinäle aus der Peripherie der Kirche


Tonga, Rangun,  Agrigent – das waren die überraschenden Ernennungen an diesem Wochenende. Papst Franziskus hatte nach dem Angelusgebet die fünfzehn Namen von Bischöfen bekannt gegeben, die er im Februar zu Kardinälen erheben wird. Traditionelle Bistümer wie Venedig, Turin oder Washington sind wiedererwartend leer ausgegangen. Papst Franziskus spricht nicht nur von der Peripherie, sondern geht auch mit seinen Kardinalsernennungen an die Peripherie der Kirche und mischt das Kardinalskollegium ordentlich durch.

Ein 176 starker aber bedrohter Inselstaat im Südpazifik bekommt zum ersten Mal in seiner Geschichte einen Kardinal. Tonga ist ein polynesisches Königreich, das von den Stürmen und Erdbeben bedroht ist, Tonga droht buchstäblich unterzugehen. Aus diesem bedrohten Land wird nun im Februar Soana Patita Paini Mafi zum Kardinal ernannt. Mit 53 Jahren wird er der jüngste im Kardinalskollegium sein.

Auch Burma (Myanmar) bekommt einen neuen Kardinal. Dort verschwindet zwar nicht das Land, aber die Christen im Land sind eine verschwindend kleine Minderheit. Mit der Ernennung von Charles Maung Bo solidarisiert sich Papst Franziskus mit den burmesischen Christen, die vor allem unter der Militärregierung bis 2011 mit Unterdrückung und Gewalt zu kämpfen hatten und ihre Rechte immer noch erkämpfen müssen. Bo engagiert sich nicht nur für die christlichen Minderheiten sondern überhaupt um ethnische Minderheiten in Burma.

Papst Franziskus geht jedoch nicht nur an die geografischen Peripherien nach Ozeanien und Asien, sondern geht auch in Italien an die Grenzen. Der Erzbischof von Agrigent auf Sizilien gehört zu den 20 Überraschungskandidaten, die der Papst am Sonntag nach dem Angelus verkündete. Doch die Antwort auf die Frage nach dem Warum ist weniger überraschend. Francesco Montenegro setzt sich wie kein anderer italienischer Bischof für die Flüchtlinge auf Lampedusa ein. Die Mittelmeerinsel zählt zu seiner Diözese.

Von den insgesamt 20 Bischöfen, die im Februar zu Kardinälen ernannt werden sollen, sind nur sieben Europäer. Damit führt Papst Franziskus sein Konzept der Weltkirche durch die Internationalisierung des Kardinalkollegiums weiter fort. Zu den 123 nun bald wahlberechtigten Kardinälen gehören dann 50 Nicht-Europäer.

Von 228 Kardinälen sind 125 wahlberechtigt. 57 der Wahlberechtigten kommen aus Europa. Lediglich vierzehn wahlberichtigte Kardinäle kommen aus dem bevölkerungsreichsten Kontinent Asien, drei aus Ozeanien und fünfzehn aus Afrika.

(rv, kap 05.01.14 pdy)








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