Die Lage bleibt unsicher;
das Land steht am Rand des Bürgerkriegs. In den Bergen südöstlich von Beirut bekämpfen
sich Drusen-Milizen. Dabei kamen am Sonntag mindestens 36 Menschen ums Leben; die
Gesamtzahl der Opfer der Gewalt in diesen Tagen liegt bei 81. 250 Menschen wurden
verletzt. Auslöser der Unruhen ist die schiitische Hisbollah – sie wird von Syrien
und Iran unterstützt und hat der Regierung von Beirut am letzten Donnerstag offen
den Krieg erklärt. Die Christen sind im neuen libanesischen Konflikt gespalten: Einige
stützen die Hisbollah, andere die Regierung. Papst Benedikt hat am Sonntag eindringlich
zu einem Ende der Gewalt aufgerufen. Samir Khalil Samir, ein Jesuit aus Ägypten, unterrichtet
in Beirut; er ist überzeugt, dass der schlimmste Gewaltausbruch im Libanon seit Ende
des Bürgerkriegs 1990 vom Ausland befeuert wird.
„Israel auf der einen, Syrien
und Iran auf der anderen Seite schauen nicht nur zu. Jeder weiß hier im Libanon, dass
Iran die Hisbollah bewaffnet und bezahlt. Und Syrien rächt sich über die Hisbollah
an der libanesischen Regierung dafür, dass die syrischen Soldaten aus dem Land geworfen
wurden. – Was kann die Kirche in einer solchen Lage tun? Vor allem: Daran erinnern,
dass das kein Zusammenstoß Christen gegen Moslems ist. Das ist ein ideologischer Konflikt
mit sozio-ökonomischen und ähnlichen Interessen. Leider hat die Kirche in den letzten
zwei Jahren an Boden verloren, weil die Christen gespalten sind. Das ist für mich
das Schlimmste: Wir haben keinen vernünftigen Weg gefunden. Jetzt kann man nur hoffen,
dass sich die Christen nicht militärisch (in den Konflikt) hineinziehen lassen – und
nicht für eine gewaltsame Lösung eintreten.“