2007-01-26 12:41:28

Wochenkommentar - von P. Eberhard v. Gemmingen SJ


RealAudioMP3 Vermutlich wird Papst Benedikt bald die Erlaubnis geben, die Eucharistie wieder häufiger im überlieferten oder klassischen oder tridentinischen Ritus zu feiern. Es wäre aber völlig falsch, wenn sich die Katholiken darüber in die Haare kämen, die einen voll Freude über diese Rückkehr, die anderen voll Ärger. Der Papst will die alte Liturgie keineswegs allgemein einführen oder dazu verpflichten. Er ist nur der Überzeugung, dass das Verbot dieses klassischen Ritus nach dem Konzil der kirchlichen Tradition widerspricht, denn Riten werden seiner Überzeugung nach zwar fortentwickelt, aber nicht einfach abgeschafft.
Es dreht sich bei dem Ganzen vor allem nicht ums Latein und um die Zelebration mit Rücken zum Volk. Denn beides kann auch im neuen Ritus geschehen. Die genauen Unterschiede zwischen dem alten und dem neuen Ritus sind minimal und fast überhaupt nicht zu erkennen, wenn der neue Ritus – wie erlaubt und gewünscht - auf Latein gefeiert wird und sogar mit dem Rücken zum Volk.
Unser eigentliches Problem jedenfalls in Europa ist meines Erachtens, dass Gläubige heutige Messfeiern manchmal zu banal finden, zu wenig vom Mysterium geprägt – manchmal auch in den Riten zu beliebig. Daher wünschen sich vor allem Christen mit Stilgefühl wieder mehr klassische Verbindlichkeit und das Mysterium. Dahinter steht vermutlich auch eine Sehnsucht nach dem verbindlich hochstehend Europäischem. Damals wusste man: eine katholische Messe wird von Lissabon bis St. Petersburg überall gleich gefeiert. Man war vor Überraschungen sicher. Aber geben wir es zu: Millionen haben damals nur brav und auch gläubig teilgenommen, aber fast nichts verstanden und daher Rosenkranz gebetet. Nur deutsche Intellektuelle hatten den Schott, den es in anderen Ländern nicht gab. Der Wunsch, die Messe aktiv und verstehend mitzufeiern, ist gut und wichtig. Daher kommt es meines Erachtens heute nur darauf an, dass wir Priester wieder lernen, das Mysterium richtig zu feiern, sodass Glaube, Herz und Verstand gleichzeitig angesprochen werden. Wenn wir dann freilich einen Blick in die wachsenden Kirchen Afrikas und Asiens werfen, dann ist die Frage nach der richtigen Messfeier in Europa nur ein Nachhutgefecht. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass in den jungen Kirchen sich jemand nach dem alten Ritus sehnt.
(rv 26.01.07 sk)








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